STROBL, MARIANNE 1865-1917
STROBL, MARIANNE 1865-1917
Industrie-Fotografin in Wien

 

Marianne Strobl (1865-1917), die selbstbewusste Frau und Fotografin, die nicht wie viele ihrer Berufskolleginnen als Portraitfotografin im Atelier ihr Geld verdienen wollte, hat ein fotografisches Werk hinterlassen, das für die Fotografie-Geschichte ein Glücksfall darstellt. Sie war zwischen 1894 und 1917 auf Großbaustellen und in Industriebetrieben unterwegs und wird wohl nicht zu Unrecht als »erste Industriefotografin« der k.u.k. Monarchie bezeichnet.

Die Kenntnisse über ihr Leben sind nur sehr spärlich: Sehr wahrscheinlich hat sich Marianne Strobl im exklusiven »Club der Amateur-Photographen in Wien«, zu dem sie vermutlich über ihren Mann, den Vermessungstechniker Josef Strobl, Zugang hatte, die notwendigen Kenntnisse im Umgang mit dem Fotoapparat, den Fotoplatten und den Geheimnissen der Dunkelkammer angeeignet. Eine Ausbildung an der 1888 gegründeten »K.K. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien« war ihr noch nicht möglich, weil Frauen erst 1908 Zugang zu der Wiener Ausbildungsstätte hatten.

Die Zeit war geprägt von Technik und Industrie, vom Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Errichtung von Fabriken, vom Brückenbau, Kanalanlagen und Eisenkonstruktionen. Das war für Marianne Strobl der Anstoß, sich von Anfang an auf die Dokumentation derartiger großer Stadtbau- und Industrie-Anlagen zu spezialisieren. Das Fotografieren derartiger Großbaustellen bedeutete damals, eine hochkomplizierte Technik zu beherrschen: nicht zuletzt unterwegs in unwegsamem Gelände den Umgang mit der großformatigen Holz-Kamera, dem Stativ und den schwere Glasplatten zu handhaben und schließlich die langwierige, vom Tageslicht abhängige Entwicklung der Glasplatten zu beherrschen.

Mit schwerer Kameraausrüstung stieg Marianne Strobl um 1900 für ihre Auftraggeber in die Kanalisation, fotografierte mit ihrem Blitzlicht-Equipment und den großen Glasplatten auch die geologisch einmaligen Ötscherhöhlen in Niederösterreich und begleitete über Jahre die Errichtung des Gaswerks Wien-Leopoldau. Nicht zuletzt führte sie auch Regie über alle männlichen Mitarbeiter vor Ort.

Strobls Spezialisierung in diesem Metier war ihre persönliche Strategie, um auf dem extrem umkämpften Wiener Fotografie-Markt um 1900 konkurrieren zu können. Laut Firmenstempel nannte sie sich »Industrie-Photograph« und zeichnete ihre Fotografien im markanten roten Schriftzug »M. Strobl«.


 

INFO

Kataloge des Verborgenen Museums können während der Öffnunszeiten an der Museumskasse gekauft werden.

ANMERKUNG:
Sämtliche AusstellungsBeiträge aus unserem bisherigen InternetAuftritt werden successive in diesen NEUEN umgezogen.