22. October 2020 - 31. January 2021

WAHLVERWANDTSCHAFTEN

Rendezvous mit Fotografinnen 1900 – 1935

Mit der Ausstellung »Wahlverwandtschaften« widmet sich DAS VERBORGENE MUSEUM Portraitfotografien von Fotografinnen der um 1900 geborenen Generation. Vom 22. Oktober 2020 bis zum 31. Januar 2021 werden u.a. Portraits von Eva Besnyö, Lotte Jacobi, Frieda Riess, Thea Sternheim und Yva zu sehen sein, die mit ihren markanten Nahaufnahmen die Fotografie der 1920/30er-Jahre geprägt haben. Fotografinnen haben ein feines Sensorium für Kamera-Begegnungen – als professionelle ebenso wie als Amateurinnen.

Wahlverwandtschaftliche Beziehungen leben von einer Geistes- bzw. Seelenverwandtschaft, von einer unausgesprochenen Anziehungskraft zwischen nicht näher bekannten Personen, die sich besonders auch beim Akt des Portraitierens immer wieder einstellt. Die Spannungen aus Fremdheit und Nähe, aus Distanz und Anziehung bestimmen maßgeblich das Miteinander von Fotografin und Modell, schließlich auch die anhaltende Faszination der Portraits. Sie bezeugen Freundschaften, wecken Erinnerungen und vermitteln intime Stimmungen. Sie zeigen Gesicht, wenn sie im Auftrag entstehen, erzählen von vertrauten Begegnungen oder dokumentieren technische Experimente. Oft sind sie auch die einzigen Zeugnisse eines prekären, überraschenden oder technisch ausgeklügelten Bilddialogs.

Mit ihrer noch stark der expressionistischen Malerei verhafteten Auffassung vom fotografischen Portrait führt Frieda G. Riess die um 1900 geborene Generation Fotografinnen an: u.a. in der Ausstellung vertreten durch Eva Besnyö, Steffi Brandl, Marianne Breslauer, Suse Byk,  Florence Henri, Aura Hertwig, Lotte Jacobi, Charlotte Joël, Jeanne Mandello, Lucia Moholy, Yva, und die Amateurfotografin Thea Sternheim.

Es war eine einmalige Chance, als sich »Die Riess« 1925 in der Berliner Galerie Alfred Flechtheim mit ihren Portraits von Lil Dagover, Asta Nielsen, Renée Sintenis u.v.a. einem potenten Kundenkreis hat bekannt machen können. Thea Sternheim jedenfalls, als Amateurfotografin eher Außenseiterin des Gewerbes, hat sie als beste Portraitfotografin Berlins bezeichnet, während sie ihrerseits von der Riess zum »Orakel in fotografischen Fragen« erklärt wurde. Zu Thea Sternheims Portraits gehören u.a. so ungeschminkte Nahaufnahmen, wie die von Alfred Flechtheim, Gottfried Benn oder der pazifistischen, deutsch-französischen Schriftstellerin Annette Kolb.

»Mein Stil ist der Stil der Menschen, die ich fotografiere«, hat Lotte Jacobi zum Motto ihrer Portraitarbeit erklärt und die Vielfalt ihrer Kompositionen bestätigt ihr Motto auf überraschende Weise. Dabei hat sie die neue Kamera-Technik der 1920er-Jahre, ihre 9 x 12 cm Ermanox, unterstützt, mit der sie sich an jedem beliebigen Ort – zu Hause, hinter der Bühne, unter freiem Himmel -  mit ihren ProtagonistInnen zum Rendezvous verabreden konnte. Die Portraits, u.a. von Lotte Lenya, Erika und Klaus Mann, Albert Einstein u.v.a. kamen bei der Presse gut an und haben sich heute in das allgemeine Bildgedächtnis eingeschrieben.

Yva wiederum, die 1925 ihr erstes Atelier eröffnet hat, hat ebenfalls Portraits für die illustrierte Presse gemacht, bevor sie mit ihren exquisiten Inszenierungen zur Spezialistin der Modefotografie avancierte. Die Nachfrage nach Bildern der Prominenz, der Reichen und Schönen im privaten Ambiente nahm in den 1920er-Jahren sprunghaft zu und hat damit zugleich eine neue Ära der Bedeutung des Visuellen eingeleitet. Zu Yvas reizvollsten Portraits gehören neben denen der Tänzerin Tatjana Barbakoff auch die Rückenansicht des Leinwandstars Asta Nielsen.

 

Vorschau 2020 / /2021

 

VORBESICHTIGUNG

Mittwoch, 21. Oktober 2020 | 17 -19 Uhr

Es gelten die Hygiene- und Abstandsregeln, so dass wir Sie bitten, während Ihres Aufenthaltes in den Museumsräumen den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
Haben Sie bitte Verständnis, dass nur eine begrenzte Anzahl von maximal 10 Besucher
Innen gleichzeitig Einlass findet.
Es besteht von Seiten des Museums eine Dokumentationspflicht.


LAUFZEIT DER AUSSTELLUNG

22. Oktober 2020 - 31. Januar 2021
geschlossen: 17.12.2020 - 06.01.2021

 

ACHTUNG !
geänderte ÖFFNUNGSZEITEN

Oktober 2020
Do-Fr 15-19 h | Sa-So 12-16 h

November, Dezember 2020:
Fr 15-19 h | Sa-So 12-16 h

Januar 2021:
Fr 15-19 h | Sa-So 12-16 h

 

Das Museum ist nur zu den angeführten Zeiten während der Laufzeit geöffnet.

STANDORT > ADRESSE

DAS VERBORGENE MUSEUM
Schlüterstrasse 70
10625 Berlin-Charlottenburg

VERKEHRSANBINDUNGEN

S5, 7, 75, 9 Savignyplatz
U2 Ernst-Reuter-Platz
Bus M49, X34

STADTPLAN

siehe Kontakt


TELEFON

+49 (0) 30 313 36 56

MAILADRESSE

 

 


Flyer
| zur Ausstellung

 

Publikationen in der Ausstellung erhältlich.
Frieda Riess, Thea Sternheim, Lotte Jacobi, Eva Besnyö u.a.

 

Ausstellung im Rahmen
9. Europäischer Monat der Fotografie

EMOP Berlin 2020




25. February 2021 - 18. July 2021

MATHILDE TARDIF 1872 – 1929

Panoptikum der Gesellschaft um 1900

Die Ausstellung mit Werken der in Marseille geborenen und in Deutschland gestorbenen Malerin Mathilde Tardif (1872-1929) ist die erste Begegnung mit ihren Gemälden in einer Einzelausstellung.

Ca. 70 Werke zwischen 1897 und 1929 entstanden, geben erstmals Einblick in das Werk der in den 1890er-Jahren in Paris an der Académie Julian ausgebildeten Malerin.

An der Académie steht Mathilde Tardif in der Tradition der Nabis, einer Gruppe rebellischer junger Kunststudenten um Maurice Denis; sie geht aber sowohl thematisch als auch malerisch ganz eigene Wege.  

Die Themen ihrer gesellschaftskritischen Beobachtungen findet sie im Alltag der kleinbürgerlichen und bourgeoisen Gesellschaft und stilistisch lassen sich sowohl Vorbilder bei den Symbolisten wie beim Jugendstil finden

Es war die Zeit der Dritten Französischen Republik (1870-1940) in Paris, der sprichwörtlichen Hauptstadt der Kunst. Unter Einfluss der Impressionisten haben seit Mitte des 19. Jahrhunderts Alltagsthemen Eingang in die Kunst gefunden und wie Mathilde Tardif  beschäftigten auch Thèophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) die Verhältnisse der kleinen Leute und Henri Toulouse-Lautrec (1864-1901) die zwielichtige Welt der nächtlichen Vergnügungen.

Die Intimität des kleinen Formats erfordert eine besondere Konzentration bei der Betrachtung des krassen Elends, der von Tod und Todesahnung Gezeichneten sowie der Szenen käuflicher Liebe.
 
Tardif zeichnet Menschengruppen und Einzelpersonen in Armut. Immer wieder beschäftigt sie der bigotte katholische und evangelische Klerus, die Prostituierten und die Liebhaber sowie die elegante Halbwelt der Vergnügungslokale.
Zu ihrem Bildrepertoire gehören Darstellungen gesellschaftlicher  Außenseiter, Bettler und Obdachloser, kindereicher, armer Familien und karikaturesk überzeichneter Typen wie der alternde Dandy. Aber auch die kleinen Freuden des Alltags wie der Nervenkitzel beim Auftritt der Zirkusartisten finden sich unter ihren Motiven.

Mathilde Tardif  kommt um 1900 in das wilhelminische Berlin, wo Künstlerinnen als Malweiber karikiert wurden und noch lange keinen Zugang zur akademischen Ausbildung hatten.
Es gelingt ihr aber in der Berliner Secession, dem Forum für die moderne Kunst, ausgestellt zu werden. Zwischen 1901 und 1906 sind u.a. »Die tote Mutter« (1902), »Hochzeit« (1903) und »Obdachlos«(1903) vertreten, drei Werke, die jetzt zum ersten Mal seitdem öffentlich zu sehen sind.

1907 heiratet Mathilde Tardif in Berlin den Portrait-Maler Leo Freiherr von König (1871-1944), der zwischen 1894 und 1897 an der Académie Julian studiert hat und den sie in Paris während ihrer Studienzeit kennengelernt hat.

In Berlin nehmen sie gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, es gibt u.a. regelmäßige Begegnungen mit dem Kunstschriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe und dessen Frau Anna, mit Gerhart Hauptmann, der Kunstförderin Ida Dehmel und der Malerin Dora Hitz. Mit dem Ehepaar Meier-Graefe unternehmen sie 1908 eine ausgedehnte Reisedurch Spanien.

Nach der Scheidung von Leo von König 1920 geht Mathilde Tardif zusammen mit ihrer Tochter Yvonne (1892-1957) und deren Mann, dem Maler Walter Becker (1893-1984), einige Zeit später nach Frankreich zurück. 1929 setzt sie auf Gut Woltersdorf, Brandenburg, ihrem Leben ein Ende.

Die kleinformatigen Arbeiten basieren auf einer Mischtechnik aus überwiegend Aquarell mit Tempera und Bleistift, die sie auch mit Pastellkreide und Deckweiß bearbeitet hat.

Fotografien und Dokumente ergänzen das fragmentarische Bild der Malerin, der Mutter und der Ehefrau Mathilde Tardif.   

 

Biografie

VORSCHAU 2020-2021

 

PREMIERE

MATHILDE TARDIF 1872-1929
Panoptikum der Gesellschaft um 1900

ERÖFFNUNG

Mittwoch, 24. Februar 2021 | 19 Uhr

Es sprechen

Elisabeth Moortgat
Das Verborgene Museum

Andreas Hoelscher
Nachlassverwalter

Dr. Ingrid von der Dollen
Kunsthistorikerin und Autorin der Publikation
zu Mathilde Tardif

LAUFZEIT

25. Februar 2021 - 18. Juli 2021

 

 

ÖFFNUNGSZEITEN

Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr

Das Museum ist nur zu den angeführten Zeiten während der Laufzeit geöffnet.


STANDORT > ADRESSE

DAS VERBORGENE MUSEUM
Schlüterstrasse 70
10625 Berlin-Charlottenburg

VERKEHRSANBINDUNGEN

S-Bahn Savignyplatz
U-Bahn Ernst-Reuter-Platz
Bus M49, X34

STADTPLAN

siehe Kontakt

 

TELEFON

+49 (0) 30 313 36 56

MAILADRESSE

 

 

 

Flyer | zur Ausstellung

Publikation zur Ausstellung
Ingrid von der Dollen
Die Malerin MATHILDE TARDIF 1872-1929 
Panoptikum der Gesellschaft um 1900,
128 S., Edition Joseph Hierling, Tutzing 2020, 19,00 €

 

Panoptikum der Gesellschaft um 1900

Die Ausstellung mit Werken der in Marseille geborenen und in Deutschland gestorbenen Malerin Mathilde Tardif (1872-1929) ist die erste Begegnung mit ihren Gemälden in einer Einzelausstellung.

Ca. 70 Werke zwischen 1897 und 1929 entstanden, geben erstmals Einblick in das Werk der in den 1890er-Jahren in Paris an der Académie Julian ausgebildeten Malerin.

An der Académie steht Mathilde Tardif in der Tradition der Nabis, einer Gruppe rebellischer junger Kunststudenten um Maurice Denis; sie geht aber sowohl thematisch als auch malerisch ganz eigene Wege.  

Die Themen ihrer gesellschaftskritischen Beobachtungen findet sie im Alltag der kleinbürgerlichen und bourgeoisen Gesellschaft und stilistisch lassen sich sowohl Vorbilder bei den Symbolisten wie beim Jugendstil finden

Es war die Zeit der Dritten Französischen Republik (1870-1940) in Paris, der sprichwörtlichen Hauptstadt der Kunst. Unter Einfluss der Impressionisten haben seit Mitte des 19. Jahrhunderts Alltagsthemen Eingang in die Kunst gefunden und wie Mathilde Tardif  beschäftigten auch Thèophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) die Verhältnisse der kleinen Leute und Henri Toulouse-Lautrec (1864-1901) die zwielichtige Welt der nächtlichen Vergnügungen.

Die Intimität des kleinen Formats erfordert eine besondere Konzentration bei der Betrachtung des krassen Elends, der von Tod und Todesahnung Gezeichneten sowie der Szenen käuflicher Liebe.
 
Tardif zeichnet Menschengruppen und Einzelpersonen in Armut. Immer wieder beschäftigt sie der bigotte katholische und evangelische Klerus, die Prostituierten und die Liebhaber sowie die elegante Halbwelt der Vergnügungslokale.
Zu ihrem Bildrepertoire gehören Darstellungen gesellschaftlicher  Außenseiter, Bettler und Obdachloser, kindereicher, armer Familien und karikaturesk überzeichneter Typen wie der alternde Dandy. Aber auch die kleinen Freuden des Alltags wie der Nervenkitzel beim Auftritt der Zirkusartisten finden sich unter ihren Motiven.

Mathilde Tardif  kommt um 1900 in das wilhelminische Berlin, wo Künstlerinnen als Malweiber karikiert wurden und noch lange keinen Zugang zur akademischen Ausbildung hatten.
Es gelingt ihr aber in der Berliner Secession, dem Forum für die moderne Kunst, ausgestellt zu werden. Zwischen 1901 und 1906 sind u.a. »Die tote Mutter« (1902), »Hochzeit« (1903) und »Obdachlos«(1903) vertreten, drei Werke, die jetzt zum ersten Mal seitdem öffentlich zu sehen sind.

1907 heiratet Mathilde Tardif in Berlin den Portrait-Maler Leo Freiherr von König (1871-1944), der zwischen 1894 und 1897 an der Académie Julian studiert hat und den sie in Paris während ihrer Studienzeit kennengelernt hat.

In Berlin nehmen sie gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, es gibt u.a. regelmäßige Begegnungen mit dem Kunstschriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe und dessen Frau Anna, mit Gerhart Hauptmann, der Kunstförderin Ida Dehmel und der Malerin Dora Hitz. Mit dem Ehepaar Meier-Graefe unternehmen sie 1908 eine ausgedehnte Reisedurch Spanien.

Nach der Scheidung von Leo von König 1920 geht Mathilde Tardif zusammen mit ihrer Tochter Yvonne (1892-1957) und deren Mann, dem Maler Walter Becker (1893-1984), einige Zeit später nach Frankreich zurück. 1929 setzt sie auf Gut Woltersdorf, Brandenburg, ihrem Leben ein Ende.

Die kleinformatigen Arbeiten basieren auf einer Mischtechnik aus überwiegend Aquarell mit Tempera und Bleistift, die sie auch mit Pastellkreide und Deckweiß bearbeitet hat.

Fotografien und Dokumente ergänzen das fragmentarische Bild der Malerin, der Mutter und der Ehefrau Mathilde Tardif.   

 

Biografie

VORSCHAU 2020-2021

 

PREMIERE

MATHILDE TARDIF 1872-1929
Panoptikum der Gesellschaft um 1900

ERÖFFNUNG

Mittwoch, 24. Februar 2021 | 19 Uhr

MATHILDE TARDIF 1872-1929
Panoptikum der Gesellschaft um 1900

ERÖFFNUNG

Mittwoch, 24. Februar 2021 | 19 Uhr

Es sprechen

Elisabeth Moortgat
Das Verborgene Museum

Andreas Hoelscher
Nachlassverwalter

Dr. Ingrid von der Dollen
Kunsthistorikerin und Autorin der Publikation
zu Mathilde Tardif

LAUFZEIT

25. Februar 2021 - 18. Juli 2021

 

ÖFFNUNGSZEITEN

Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr

Das Museum ist nur zu den angeführten Zeiten während der Laufzeit geöffnet.


STANDORT > ADRESSE

DAS VERBORGENE MUSEUM
Schlüterstrasse 70
10625 Berlin-Charlottenburg

VERKEHRSANBINDUNGEN

S-Bahn Savignyplatz
U-Bahn Ernst-Reuter-Platz
Bus M49, X34

STADTPLAN

siehe Kontakt

 

TELEFON

+49 (0) 30 313 36 56

MAILADRESSE

 

 

 

Flyer | zur Ausstellung

Publikation zur Ausstellung
Ingrid von der Dollen
Die Malerin MATHILDE TARDIF 1872-1929 
Panoptikum der Gesellschaft um 1900,
128 S., Edition Joseph Hierling, Tutzing 2020, 19,00 €