KRIEGSFOTOGRAFINNEN IN EUROPA 1914 -1945
KRIEGSFOTOGRAFINNEN IN EUROPA 1914 - 1945
Kriegsalltag und Abenteuerlust

 

Fotografinnen, Journalistinnen, Amateurfotografinnen und fotografierende Krankenschwestern waren zwischen 1914 und 1945 an den beiden Angriffskriegen in Europa sowie am Spanischen Bürgerkrieg mit und ohne Akkreditierung als Kriegskorrespondentinnen beteiligt. Sie haben die Versorgung der Verwundeten im Lazarett, die Betreuung der Soldaten in der Etappe und den Krieg aus nächster Nähe an der Front ebenso wie das Leben zu Hause an der Heimatfront dokumentiert. Sie waren überwiegend gegen Wilhelminismus, Faschismus und Nationalsozialismus eingestellt, aber weiblichen Geschlechts zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig Pazifistin zu sein.
Die Österreicherin Alice Schalek beispielsweise war vom Krieg fasziniert. Begeistert hat sie sich als erste akkreditierte Kriegsfotografin bis in die Gebirgszüge am Isonzo 1915-17 unter die Soldaten begeben und sich als Korrespondentin mit dem Wiener Pazifisten Karl Kraus in der Tagespresse aufsehenerregende Wortgefechte geliefert.

In Deutschland hatten Frauen keinen Zugang zu den Schlachtfeldern. Die Mehrheit der bürgerlichen Frauen aber übernahm stolz und freiwillig alle Arbeiten, die zur Versorgung an der Heimatfront notwendig waren. Die Amateurfotografin Käthe Buchler hat sie 1916 als Schaffnerinnen, Briefträgerinnen, Nachtwächterinnen etc. portraitiert und damit zugleich bei öffentlichen Vorträgen auf ihre Weise mobil gemacht.

 

KÜNSTLERINNEN IM DIALOG
KÜSTLERINNEN IM DIALOG
Drei Tassen und eine japanische Puppe

 

Die Ausstellung »Künstlerinnen im Dialog« ist als Zwiegespräch in Bildern Europäischer Künstlerinnen der um 1900 geborenen Generation angelegt: Köpfe, Akte, Stillleben, Landschaften und Portraits von Lotte Laserstein, Käthe Loewenthal, Ilse Heller-Lazard, Else Lohmann, Jacoba van Heemskerck, Alice Lex-Nerlinger, Gerda Rotermund, Eva Besnyö, Florence Henri, Natalja Gontscharowa und vielen mehr, die überwiegend den künstlerischen Positionen der Moderne nach dem Ersten Weltkrieg zuzurechnen sind.

»Künstlerinnen im Dialog« findet in diesem Frühjahr zum dritten Mal statt und ist ein Ergebnis der Lebens-, Berufs- und Werkerzählungen vieler Künstlerinnen, die Das Verborgene Museum während der letzten Jahrzehnte erstmals bekannt gemacht hat.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Werke aus den 1920er-Jahren: Das expressionistische »Stillleben mit japanischer Puppe« (ca. 1925) von Martel Schwichtenberg (1896–1945) und das konstruktivistische »Stillleben mit Tassen« (1928) von Lou Loeber (1894–1983).

 

Künstlerinnen der Ausstellung
LOU ALBERT - LASARD 1885-1969 , URSULA ARNOLD 1929-2012,
ANNA - EVA BERGMAN 1909-1987, EVA BESNYÖ 1910-2003,
DOROTHY BOHM 1924, MARIANNE BRESLAUER 1909-2001,
GERDA BÜTOW 1907-1977, GRETE CSAKI - COPONY 1893-1990,
KATE DIEHN - BITT 1900-1978, NATALJA GONTSCHAROWA 1881-1962,
JACOBA VAN HEEMSKERCK 1876-1923, MARTA HEGEMANN 1894-1970,
ILSE HELLER - LAZARD 1884-1934, FLORENCE HENRI 1893-1982,
ELSE HERTZER 1884-1978, NINI & CARRY HESS 1884-1942 / 1889-1957,
BEPPE KESSLER 1952, MARGARETE KOCH - NEUBERT 1896-1974,
LOTTE LASERSTEIN 1898-1993, ALICE LEX - NERLINGER 1894-1979,
LOU LOEBER 1894-1983, KÄTHE LOEWENTHAL 1877-1942,
ELSE LOHMANN 1897-1984, LIDY von LÜTTWITZ 1902-1996,
JEANNE MAMMEN 1896-1976, JEANNE MANDELLO 1907-2003,
ELSE MEIDNER 1901-1987, GRETE POPPER 1897-1976,
OTTILIE REYLAENDER 1882-1965, GERDA ROTERMUND 1902-1982,
THEA SCHLEUSNER 1879-1964, MARTHA SCHRAG 1870-1957,
ELISABETH VON SCHULZ 1884-1965,
MARTEL SCHWICHTENBERG 1896-1945,
LOUISE STOMPS 1900-1988, AUGUSTA VON ZITZEWITZ 1880-1960

Biografien
Lotte Laserstein, Eva Besnyö, Ilse Heller-Lazard, Jeanne Mandello,
Florence Henri, Ursula Arnold Anna-Eva Bergman, Jacoba van Heemskerck,
Lou Loeber, Else Lohmann, Else Meidner, Alice Lex-Nerlinger,
Ottilie Reylaender-Böhme, Thea Schleusner, Martha Schrag,
Elisabeth von Schulz, Martel Schwichtenberg, Augusta von Zitzewitz

EinzelAusstellungen
Lotte Laserstein, Eva Besnyö, Ilse Heller-Lazard, Jeanne Mandello,
Alice Lex-Nerlinger

 

LASERSTEIN, LOTTE
LASERSTEIN, LOTTE
1898
1993
Meine einzige Wirklichkeit

 

Lotte Laserstein wird zum ersten Mal mit einer Retrospektive in Deutschland vorgestellt. Die Malerin, hierzulande völlig in Vergessenheit geraten, hat in den 1920er und 1930er Jahren in Berlin ihre wichtigsten Bilder gemalt, nachdem sie 1927 als eine der ersten Frauen die Berliner Kunst-Akademie – mit Auszeichnung – absolviert hat.

Laserstein führt ab 1927 im eigenen Atelier eine private Malschule. Sie beteiligt sich an zahlreichen Ausstellungen und nimmt erfolgreich an Wettbewerben teil, beispielsweise an dem von der Kosmetikfirma Elida veranstalteten: „Das schönste deutsche Frauenporträt 1928“. 1929 wird sie Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen und ist aktiv im Vereinsleben tätig. Die renommierte Galerie Gurlitt zeigt 1931 eine Einzelausstellung.

Lotte Laserstein reüssiert besonders mit Bildnissen, die bereits damals ihre bevorzugten Themen verraten: die fremdländischen Gesichter in Nahsicht – wie sie damals auch in der Fotografie beliebt waren, Menschen in ungewohnter Haltung oder auch Gruppen in verhaltenem Einklang und sie malt Typen der Zeit: modische Großstädterinnen im Café, einen Motorradfahrer in voller Montur, sportliche Tennisspielerinnen, sich schminkende Mädchen und in den Portraits ihres Lieblingsmodells Traute Rose befragt die Malerin immer wieder vor allem das Bild der Neuen Frau. Besonders ihr Modell Traute Rose inspirierte sie zu einigen ihrer besten Bilder, darunter die subtilen Malerin-Modell-Darstellungen und die weiblichen Akte. In zahlreichen Selbstportraits sowie den Malerin-Modell-Darstellungen weist Laserstein selbstbewusst auf ihre Profession als Malerin hin.

 

LEX-NERLINGER, ALICE
LEX-NERLINGER, ALICE
1893
1975

 
Alice Lex-Nerlinger gehörte mit Hannah Höch, Lea und Hans Grundig, John Heartfield, den Kölner Progressiven und Oskar Nerlinger zur künstlerisch-politischen Avantgarde der Weimarer Republik.

Ihr persönliches Erleben des Ersten Weltkriegs und das künstlerische Experimentierfeld im Berlin der 1920er-Jahre waren der Fundus, aus dem Alice Lex-Nerlinger die Themen ihrer künstlerisch-dialektischen Arbeiten geschöpft hat: Helden- contra Soldatentod, Snob und Kriegskrüppel, Dame und Proletarierin, Mensch und Maschine, Kapital und Arbeit, Staat und Zensur und nicht zuletzt der frauenverachtende § 218, der Abtreibung damals unter Gefängnisstrafe gestellt hat. Entsprechend lauten die Titel ihrer Bilder: »Feldgrau schafft Dividende«, »Für den Profit«, »Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten«, »Arm und Reich«, »Zensur« und »Paragraph 218«.

 

Ausstellung Künstlerinnen im Dialog

MANDELLO, JEANNE
MANDELLO, JEANNE
1907
2001


Noch nicht neunzehnjährig ging Jeanne Mandello 1926 nach Berlin, um an der Photographischen
Lehranstalt des Lette - Vereins die zweijährige Ausbildung zur Fotografin zu machen. Sie schloss die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer mit »sehr gut« ab. Während eines Praktikums bei dem Leica - Pionier, Dr. Paul Wolff, machte sie Erfahrungen im Fotojournalismus.

Sie eröffnete 1929 ein eigenes Atelier in Frankfurt, erhielt Portraitaufträge, machte Aufnahmen für die Presse und lernte den an Fotografie interessierten, jungen Arno Grünebaum an. Nachdem sie geheiratet hatten und ihnen die Übergriffe der Nationalsozialisten auf jüdische Einrichtungen zu gefährlich wurden, flüchteten sie im Januar 1934 nach Paris. Hier erlebte Mandello eine kaum erträumte Karriere als Modefotografin im Auftrag der Modehäuser Balanciaga, Mainbocher, Maggy Rouff, Chanel, um nur einige zu nennen.

 

MORATH, INGE
MORATH, INGE
1923
2002


Die Begegnung zwischen Inge Morath und dem Kriegsfotografen Robert Capa im Juli 1949 in der Pariser Foto-Agentur »Magnum« hat die Weichen für das weitere Leben der damals 26jährigen österreichischen Journalistin gestellt. Noch sollte es Jahre dauern, bis Inge Morath mit der Leica so vertraut war, dass sie 1953 bei Magnum als Fotografin anfing und 1956 als Vollmitglied geführt wurde.

1923 in Graz geboren, war Inge Morath durch den berufsbedingt häufigen Ortswechsel der Eltern in Europa von Jugend an gewohnt, sich auf Menschen und deren Sprachen einzustellen. Ihre besondere Begabung erleichterte ihr später als Foto-Reporterin ein schnelles Erlernen von fremden Sprachen in immer neuen Regionen der Welt.

An ihre Oberschulausbildung in Berlin, die in die ersten Jahre des Nationalsozialismus fiel, schloss sich der “Reichsarbeitsdienst“ an, bevor sie zum Studium der Romanistik an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität zugelassen wurde. Danach wurde sie zur Arbeit in einem waffenproduzierenden Betrieb in Berlin-Tempelhof gezwungen. Nur durch ihren Mut, einen Bombenangriff zur Flucht zu nutzen, hat sie sich nach Salzburg zu den Eltern retten können.

 

INFO

Kataloge des Verborgenen Museums können während der Öffnunszeiten an der Museumskasse gekauft werden.

ANMERKUNG:
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