HILDEBRANDT, LILY
HILDEBRANDT, LILY
1887
1974
Biografie

 

1887 
Am 16. Oktober wird Lily Hildebrandt in Fürth, Bayern, als Tochter von Betty und Sebastian Uhlmann, dem Direktor der Berliner Union-Werke Mannheim-Berlin geboren. Die Eltern sind jüdischer Abstammung, ab 1908 konfessionslos. Lily wird evangelisch getauft. 

Kindheit in Mannheim
Besuch eines Pensionats in Genf 

1903
Umzug der Familie nach Berlin 

1905 
Spätestens seit diesem Jahr Beginn des Studiums an der privaten Malschule von Adolf Meyer in Berlin. Erste Portraitstudien.

Sie lernt Hans Hildebrandt (1878-1957), den Sohn einer Mannheimer-Bankdirektorenfamilie, kennen, der sein Jura-Studium in München beendet um Kunstgeschichte zu studieren. 

1907 
Teilnahme der Malklasse (u.a. Ida Kerkovius) von Adolf Meyer an dem Sommerkurs von Adolf Hölzel in Dachau: Plein-Air-Malerei, Kompositions- und Farbenlehre, Landschaften und Portraits in Öl und Kohle (möglicherweise Sommerkursteilnahme in Dachau auch schon 1906). 

1908 
Lily Uhlmann heiratet am 26. April Hans Hildebrandt, der das Studium der Kunstgeschichte in München und Heidelberg mit der Dissertation „Die Architektur bei Albrecht Althofer“ bei Henry Thode abgeschlossen hat. Hochzeitsreise nach Rom. Wohnsitz in München. Der freie Kunsthistoriker Hildebrandt ist als Kritiker und Autor von Stadt- und Landschaftsmonographien tätig. 

1909 
Entwurf des Umschlags zu einem Provence-Buch von Hans Hildebrandt. Schülerin bei Hölzel. Sie macht ihren Mann mit dem Maler Hölzel und seinem Kreis bekannt. 

1910 
Vom 10. November bis zum 29. Februar 1911 entstehen die Unterrichtsmitschriften in der Hölzel-Klasse an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 

1911 
Übersiedlung nach Stuttgart, da Hans Hildebrandt als Privatdozent für Ästhetik der Bildenden Künste an die dortige Technische Hochschule berufen wird. Er habilitiert sich im gleichen Jahr mit einer Arbeit über „Elemente der Wandmalerei“. 

1912 
Lily Hildebrandt wird außerordentliches Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein (ab 19. Februar 1913 ordentliches Mitglied). Teilnahme an der Exkursion der Malklasse Hölzel nach Monschau/Eifel (Montjoie) im Juli. Reise nach Paris im August mit Hans Hildebrandt und dem Maler und Hölzelschüler Hermann Stenner. Im Herbst wird sie Meisterschülerin bei Hölzel in den Unteren Anlagen in Stuttgart. 

1913 
Beteiligung an der Juryfreien Kunstschau im Sezessionshaus in Berlin im Kreis der Hölzel-Schülerinnen Eberz, Kinzinger, Ida Kerkovius, Hermann Stenner mit dem Ölbild „Weiblicher Akt“.

Umzug ins neuerbaute Wohnhaus Gerokstraße 63, wo sie Zeit ihres Lebens wohnen wird. Hans Hildebrandt organisiert die Ausstellung „Adolf Hölzel als Zeichner“ in Berlin (Cassirer), München und Stuttgart und veröffentlicht dazu das gleichnamige Buch. 

1914 
Ausstellungsbeteiligung mit weiteren Hölzel-Schülern in Stuttgart: im Januar im Kunsthaus Schaller und im Juni in der Kunstausstellung mit den Arbeiten „Kinderbild“ und „Alpenveilchen“.

Am 14. Dezember wird ihr Sohn Rainer geboren.  

1916 
Es entstehen erste Buntpapier-Collagen für das Bilderbuch „Klein Rainers Weltreise“, die im Dezember 1917 in der Ausstellung „Das Bilderbuch – Bilderbücher und illustrierte Märchenbücher aus Gegenwart und Vergangenheit“ in der Städtischen Kunsthalle Mannheim ausgestellt werden. 

1918 
Erste Hinterglasbilder sind im April neben Entwürfen zu „Klein Rainers Weltreise“ im Kunsthaus Schaller in Stuttgart zu sehen. Das Bilderbuch „Klein Rainers Weltreise“ erscheint mit Texten von Hans Hildebrandt im Verlag Georg Dietrich in München (1924 kommt eine russische Fassung heraus). 

1919 
Beginn der Reportagetätigkeit zu Kunst- und Mode-Themen für das „Stuttgarter Neue Tageblatt“ und andere regionale Zeitschriften.

Im September lernt sie Walter Gropius, den Direktor des Bauhauses auf dem Ersten Deutschen Farbentag des Deutschen Werkbundes in Stuttgart kennen. Hölzel hält den Vortrag „Einiges über die Farbe in ihrer bildharmonischen Bedeutung und Ausnützung“.

Mit Gropius beginnt eine mehrjährige Liebesbeziehung und lebenslange Freundschaft, die sich in zahlreichen Briefen dokumentiert. Im Oktober trifft sie Gropius in Frankfurt. 

1920 
Beteiligung an der „Zweiten Herbstschau Neuer Kunst“ der Uecht-Gruppe in Stuttgart, mit u.a. Ida Kerkovius und Gertrud Koref-Stemmler (Die Uecht-Gruppe, ein Ortsverband der November-Gruppe in Berlin, wurde von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer u.a. im Oktober 1919 in Stuttgart gegründet, um moderne Kunst zu fördern.).

Im Hause Hildebrandt treffen sich regelmäßig Künstlerinnen und Künstler, Interessierte, im Austausch um die Moderne. 

1921 
Lily Hildebrandt trifft Gropius im Sommer in Weimar und im Herbst in Würzburg. 

1922 
Urlaub in der Schweiz 

1923
Anläßlich Hölzels siebzigsten Geburtstags findet die „Ehrenausstellung für Adolf Hölzel“ im Kunsthaus Schaller statt. Lily Hildebrandt ist mit Buntpapiercollagen zu „Klein Rainers Weltreise“ und Hinterglasbildern vertreten.

Walter Gropius heiratet Ise Frank. 

1925 
Beteiligung an einer Ausstellung von historischen und modernen Hinterglasbildern im Leipziger Kunstverein. 

1926 
Lucia Moholy portraitiert Lily Hildebrandt 1926 in Dessau 

Hans Hildebrandt leidet an perniziöser Anämie. „Rainer als Pierrot“ das wahrscheinlich letzte vollendete Ölbild entsteht.

1927 
Die Berliner Galerie Fritz Gurlitt zeigt im März die erste Einzelausstellung mit Lily Hildebrandts Hinterglasbildern (u.a. Flötender Hirte, Gespensterhaus, Das Gastmahl, Das Dorf, Badestrand). Der Wandfries im Kinderzimmer des Hauses Felix Löwenstein in Stuttgart wird fertiggestellt. 

1928 
„Die Frau als Künstlerin“ von Hans Hildebrandt erscheint, viele Korrespondenzen mit den zeitgenössischen Künstlerinnen hatte Lily Hildebrandt geführt. Anteil an der inhaltlichen Interpretation sind nicht überliefert. 

1930 
Weitere Entwürfe zu einem Kinderzimmerfries. 

1931 
In der Ausstellung im Juni im Kunsthaus Schaller, Stuttgart, ist sie u.a. mit Hinterglasbildern, sowie Ölbildern, Zeichnungen, Wandbildentwürfen und dem Bilderbuch vertreten. (Flötender Hirte, Lampionzug, Aquarium, Irrenhaus, Nächtliche Erscheinung, Stuttgart bei Nacht, Hafen bei Nacht, Lugano) 

1932 
Im April Beteiligung an der Ausstellung in der Städtischen Kunsthalle Mannheim mit Hinterglasbildern (u.a. Gespensterhaus, Jakos Traum, Irrenhaus, Leichenzug).

Katherine Dreyer erwirbt das Hinterglasbild „Springende Pferde“. Sie vermacht es dem Museum of Modern Art, New York. 

1933 
Am 31. April 1933 erscheint der letzte Artikel über „Die Malerin Lily Hildebrandt“ von Bodo Rasch im Stuttgarter Wochenspiegel, danach wird sie bis 1949 von der Presse ignoriert. Als Journalistin erhält sie Berufsverbot.

1934 
Am 3. April Ablehnung ihres Gesuchs um Aufnahme in die Reichskammer der Bildenden Künste in den Fachverband Bund Deutscher Maler und Graphiker. Gleichzeitig Berufsverbot als Malerin und Graphikerin. 

1936 
Auf Vermittlung von Walter Gropius Teilnahme an einer Ausstellung in der Modern Gallery in London. 

1937 
Hans Hildebrandt wird aufgrund „jüdischer Versippung“ aus dem Lehrkörper der Technischen Hochschule ausgeschlossen und kann nur noch anonym publizieren. Alle Bewerbungen scheitern. 

1938 
Tod der Eltern Betty und Sebastian Uhlmann. 

1939 
Hans Hildebrandt hält Gastvorlesungen über Wandmalerei in Zürich. Weitere Auslandsreisen werden ihm ab 1940 verboten. 

1943 
Verhaftung des Sohnes Rainer wegen Zersetzung der Wehrkraft, Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis. 

1944 
Lily Hildebrandt gibt ihre künstlerische Tätigkeit auf. 

1945 
Hans Hildebrandt wird an die Technische Hochschule Stuttgart zurückberufen.

Lily Hildebrandt macht ihr Haus in der Stuttgarter Gerokstraße wieder zu einem Künstler-Treffpunkt und sie ist bis zu ihrem Lebensende eine Unterstützerin der modernen Künste. 

1949 
Pensionierung von Hans Hildebrandt. 

1952 
Der Antrag auf Entschädigung als vom Naziterror Verfolgte wird abgelehnt.

1954 
Reise an die Côte d’Azur, in die Provence und nach Mailand. Besprechung des Beitrags der Künstlerinnen auf der Mailänder Triennale in mehreren Zeitungen. 

1957 
Am 25. August stirbt Hans Hildebrandt. 

1962 
Freundschaft mit dem Bildhauer Hans-Peter Fitz, den sie fördert und unterstützt (Freitod von Fitz 1969). 

1964 
Die SWR Abendschau bringt an 29. Oktober ein ca. 12 minütiges TV-Portrait Lily Hildebrandt. 

1974 
Am 3. September stirbt Lily Hildebrandt in Stuttgart. 

1985 
Getty Research Collections, Los Angeles, erhalten den schriftlichen Nachlass von Lily und Hans Hildebrandt. 

1988 
Die Galerie Schlichtenmaier, Grafenau, widmet Lily Hildebrandt eine Einzelausstellung. 

1997 
DAS VERBORGENE MUSEUM Berlin zeigt die Einzelausstellung „Lily Hildebrandt – Ölbilder-Hinterglasbilder-Zeichnungen-Fotografien“

Ausstellung   
Publikationen  F-J
Künstlerinnen F-J


ERÖFFNUNG
Mittwoch | 29. Oktober 1997 |  19 h


ES SPRECHEN
Gisela Breitling
Das Verborgene Museum

Dr. Rainer Hildebrandt
Haus am Checkpoint Charlie

Dr. Britta Kaiser Schuster
»Mir aber - der freie Traum ... «
Leben und Werke der Künstlerin Lily Hildebrandt

 

LAUFZEIT
30. Oktober – 21. Dezember 1997


ÖFFNUNGSZEITEN
Mi - Fr 15 - 19 h | Sa - So 12- 16 h
 

VERANSTALTUNGSORT
DAS VERBORGENE MUSEUM
Dokumentation der Kunst von Frauen e.V.
Schlüterstr. 70
10625 Berlin-Charlottenburg
 
 
Einladungskarte zur Ausstellung

Publikation zur Ausstellung

LILY HILDEBRANDT 1887-1974
Gemälde-Hinterglasbilder-Zeichnungen-Photographien

Hrsg. DAS VERBORGENE MUSEUM
bearbeitet von Britta Kaiser-Schuster
Traum & Raum, Berlin 1997
Redaktion: Gisela Breitling, Marion Beckers

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv Berlin
Mit Unterstützung von Rainer und Julian Hildebrandt
Sowie der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur
Beirat des Künstlerinnen Programms.


AKTUELLE Rufnummer
+49 (0) 30 861 34 64

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