22. October 2020 - 31. January 2021

WAHLVERWANDTSCHAFTEN

Rendezvous mit Fotografinnen 1900 – 1935

Portraitfotografien bezeugen Freundschaften, wecken Erinnerungen und vermitteln intime Stimmungen. Sie zeigen Gesicht, wenn sie im Auftrag entstehen, erzählen von nahen Begegnungen oder dokumentieren technische Experimente. Oft sind sie die einzigen Zeugnisse eines prekären, überraschenden oder ausgeklügelten Bilddialogs. Fotografinnen haben ein feines Sensorium für Kamera-Begegnungen – als Professionelle und als Amateurinnen.

Fotografien der Kunstsammlerin Thea Sternheim (1883-1971) geben Einblick in den Kosmos einer obsessiven Amateurfotografin, zu deren Portraits so ungestellte Aufnahmen wie die von Gottfried Benn oder der Pazifistin Annette Kolb gehören. Sie besuchte das Atelier von Frieda G. Riess (1890-1955?) am Kurfürstendamm 14/15, der Gesellschaftsfotografin, die 1925 bei Alfred Flechtheim ausgestellt hat, die Ausstellung gibt auch Einblicke in das Oeuvre von Frieda Riess.

Am Kurfürstendamm 230, gegenüber von der Riess, residierte Suse Byk (1884-1943), gefragt bei den Stars von Bühne und Oper.

Lotte Jacobi (1896-1990), in vierter Generation Leiterin des berühmten Fotografie-Ateliers, ist in der Joachimsthaler Straße / Ecke Kantstraße ansässig. Sie schätzt es, die bekannten Theater- und Filmgrößen, die WissenschaftlerInnen und SchriftstellerInnen zum Rendezvous zu Hause aufzusuchen und sie hier nach ihrem Wahlspruch „Mein Stil ist der Stil der Menschen, die ich fotografiere“, zu portraitieren; bisweilen tauschten die Riess und Lotte Jacobi technische Fragen aus.

Die heute für ihre exquisiten Inszenierungen in der Modefotografie bekannte Yva (Else Neulaender-Simon 1900-1942) hat zu Beginn ihrer Berufstätigkeit mit technisch modernsten Mehrfachbelichtungen auf sich aufmerksam gemacht.

Aura Hertwig (1861-1944) hat sich mit ihrem Atelier für Künstlerische Photographie in Berlin-Charlottenburg um 1900 einen Namen gemacht. Bis 1914 war sie mit Prominentenportraits u.a. vor allem für „Die Woche“ und die „Berliner Illustrirte Zeitung“ tätig.

 

 

 

ERÖFFNUNG

Mittwoch, 21. Oktober 2020 | 19 Uhr

Es sprechen

Elisabeth Moortgat
Das Verborgene Museum

Dr. Thomas Ehrsam
Herausgeber der Tagebücher von Thea Sternheim

LAUFZEIT

22. Oktober 2020 - 31. Januar 2021
geschlossen: 17.12.2020 - 06.01.2021

 

ÖFFNUNGSZEITEN

Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr

Das Museum ist nur zu den angeführten Zeiten während der Laufzeit geöffnet.

STANDORT > ADRESSE

DAS VERBORGENE MUSEUM
Schlüterstrasse 70
10625 Berlin-Charlottenburg

VERKEHRSANBINDUNGEN

S5, 7, 75, 9 Savignyplatz
U2 Ernst-Reuter-Platz
Bus M49, X34

STADTPLAN

siehe Kontakt


TELEFON

+49 (0) 30 313 36 56

MAILADRESSE

 

 

Ausstellung im Rahmen
9. Europäischer Monat der Fotografie
EMOP Berlin 2020

 


25. February 2021 - 18. July 2021

MATHILDE TARDIF 1872 – 1929

Panoptikum der Gesellschaft um 1900

Die Ausstellung mit Werken der in Marseille geborenen und in Deutschland gestorbenen Malerin Mathilde Tardif (1872-1929) ist die erste Begegnung mit ihren Gemälden in einer Einzelausstellung.

Ca. 70 Werke zwischen 1897 und 1929 entstanden, geben erstmals Einblick in das Werk der in den 1890er-Jahren in Paris an der Académie Julian ausgebildeten Malerin.

An der Académie steht Mathilde Tardif in der Tradition der Nabis, einer Gruppe rebellischer junger Kunststudenten um Maurice Denis; sie geht aber sowohl thematisch als auch malerisch ganz eigene Wege.  

Die Themen ihrer gesellschaftskritischen Beobachtungen findet sie im Alltag der kleinbürgerlichen und bourgeoisen Gesellschaft und stilistisch lassen sich sowohl Vorbilder bei den Symbolisten wie beim Jugendstil finden

Es war die Zeit der Dritten Französischen Republik (1870-1940) in Paris, der sprichwörtlichen Hauptstadt der Kunst. Unter Einfluss der Impressionisten haben seit Mitte des 19. Jahrhunderts Alltagsthemen Eingang in die Kunst gefunden und wie Mathilde Tardif  beschäftigten auch Thèophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) die Verhältnisse der kleinen Leute und Henri Toulouse-Lautrec (1864-1901) die zwielichtige Welt der nächtlichen Vergnügungen.

Die Intimität des kleinen Formats erfordert eine besondere Konzentration bei der Betrachtung des krassen Elends, der von Tod und Todesahnung Gezeichneten sowie der Szenen käuflicher Liebe.
 
Tardif zeichnet Menschengruppen und Einzelpersonen in Armut. Immer wieder beschäftigt sie der bigotte katholische und evangelische Klerus, die Prostituierten und die Liebhaber sowie die elegante Halbwelt der Vergnügungslokale.
Zu ihrem Bildrepertoire gehören Darstellungen gesellschaftlicher  Außenseiter, Bettler und Obdachloser, kindereicher, armer Familien und karikaturesk überzeichneter Typen wie der alternde Dandy. Aber auch die kleinen Freuden des Alltags wie der Nervenkitzel beim Auftritt der Zirkusartisten finden sich unter ihren Motiven.

Mathilde Tardif  kommt um 1900 in das wilhelminische Berlin, wo Künstlerinnen als Malweiber karikiert wurden und noch lange keinen Zugang zur akademischen Ausbildung hatten.
Es gelingt ihr aber in der Berliner Secession, dem Forum für die moderne Kunst, ausgestellt zu werden. Zwischen 1901 und 1906 sind u.a. »Die tote Mutter« (1902), »Hochzeit« (1903) und »Obdachlos«(1903) vertreten, drei Werke, die jetzt zum ersten Mal seitdem öffentlich zu sehen sind.

1907 heiratet Mathilde Tardif in Berlin den Portrait-Maler Leo Freiherr von König (1871-1944), der zwischen 1894 und 1897 an der Académie Julian studiert hat und den sie in Paris während ihrer Studienzeit kennengelernt hat.

In Berlin nehmen sie gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, es gibt u.a. regelmäßige Begegnungen mit dem Kunstschriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe und dessen Frau Anna, mit Gerhart Hauptmann, der Kunstförderin Ida Dehmel und der Malerin Dora Hitz. Mit dem Ehepaar Meier-Graefe unternehmen sie 1908 eine ausgedehnte Reisedurch Spanien.

Nach der Scheidung von Leo von König 1920 geht Mathilde Tardif zusammen mit ihrer Tochter Yvonne (1892-1957) und deren Mann, dem Maler Walter Becker (1893-1984), einige Zeit später nach Frankreich zurück. 1929 setzt sie auf Gut Woltersdorf, Brandenburg, ihrem Leben ein Ende.

Die kleinformatigen Arbeiten basieren auf einer Mischtechnik aus überwiegend Aquarell mit Tempera und Bleistift, die sie auch mit Pastellkreide und Deckweiß bearbeitet hat.

Fotografien und Dokumente ergänzen das fragmentarische Bild der Malerin, der Mutter und der Ehefrau Mathilde Tardif.   

 

Biografie

VORSCHAU 2020-2021

 

PREMIERE

MATHILDE TARDIF 1872-1929
Panoptikum der Gesellschaft um 1900

ERÖFFNUNG

Mittwoch, 24. Februar 2021 | 19 Uhr

LAUFZEIT

25. Februar - 18. Juli 2021

 

ÖFFNUNGSZEITEN

Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr

Das Museum ist nur zu den angeführten Zeiten während der Laufzeit geöffnet.


STANDORT > ADRESSE

DAS VERBORGENE MUSEUM
Schlüterstrasse 70
10625 Berlin-Charlottenburg

VERKEHRSANBINDUNGEN

S-Bahn Savignyplatz
U-Bahn Ernst-Reuter-Platz
Bus M49, X34

STADTPLAN

siehe Kontakt

 

TELEFON

+49 (0) 30 313 36 56

MAILADRESSE

 

 

 

Flyer | zur Ausstellung

Publikation zur Ausstellung
Ingrid von der Dollen
Die Malerin MATHILDE TARDIF 1872-1929 
Panoptikum der Gesellschaft um 1900,
128 S., Edition Joseph Hierling, Tutzing 2020, 19,00 €